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Ein Regal mit Tablets, die für das Smart Faming verendet werden. Foto: Kathrin S. Kürzinger

Foto: Kathrin S. Kürzinger

Digitalisierung in der Landwirtschaft

Präzisionslandwirtschaft hört nicht beim Datensammeln auf

Olympia und Robin Hood in einem Atemzug und das auch noch auf dem Feld, wo es doch eigentlich um Ackerbau geht? Was haben die olympische Strategie und die Robin-Hood-Strategie mit Digitalisierung in der Landwirtschaft zu tun?

Foto: Kathrin S. Kürzinger

Foto: Kathrin S. Kürzinger

Zwischen Tablets und Treckersitz
„Dem Boden das geben, was er braucht.“, beschreibt Markus Pitz von Agrarservice Schmitz in Weeze das Ziel heutiger Landwirte ebenso wie der Lohnunternehmen, die die Landwirte bei der Bodenbearbeitung unterstützen. Die Ausbildung zur Fachkraft für Agrarservice gibt es erst seit rund zehn Jahren, doch der Bedarf steigt. Das Tablet gehört für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Agrarservice Schmitz wie selbstverständlich dazu, denn der Automatisierungsgrad ist inzwischen sehr hoch: „Von der Auftragsannahme bis zur Rechnungsstellung läuft alles über eine spezielle Software und im Controlling sieht man haargenau, wo das Geld reinkommt und wo es weggeht“, so Pitz.

Jacob van den Borne. Foto: Kathrin S. Kürzinger.

Präzisionslandwirt Jacob van den Borne:
Daten sind die Grundlage für gutes und ressourcenschonendes Wirtschaften

Nach einer rund einstündigen Hofführung von Herrn Pitz, bei der vor allem die riesigen Maschinen für großes Aufsehen und Interesse sorgten, nahm uns Jacob van den Borne von Aardappelen van den Borne mit auf eine virtuelle Reise auf seinen Kartoffelanbaubetrieb und die dazugehörigen Felder. Auf anschauliche Art und Weise erklärte er, wie man als Präzisionslandwirt („precision farmer“) besser werden kann, man mit der gleichen Fläche mehr Erträge erzielt, obwohl (oder gerade weil?) die Verfahren schonender für die Böden sind.

Zum Einstieg berichtete van den Borne von seinem Großvater, der früher jeden Tag (!) nach dem Essen alles aufschrieb: was er an dem Tag auf den Feldern gemacht hatte, wie das Wetter war, wieviel Kraftstoff er gebraucht hatte usw. Verwundert fragte van den Borne ins Publikum, warum Landwirte dies alles heutzutage nicht mehr aufschreiben. Seiner Erfahrung nach dient solch eine Datengrundlage dazu Fehler zu finden und zu beheben. Daher ist eine Ertragspotentialkarte unabdingbar für precision farming.

 

Ertragspotentialkarte. Foto: Kathrin S. Kürzinger

Robin-Hood-Strategie: Ausgleich schaffen
Auf einem einzigen Feld gibt es beim Wachstum und Ertrag der einzelnen Pflanzen nämlich große Unterschiede. Deshalb erhebt van den Borne zunächst die Leitfähigkeit des Bodens, den er mit einem Akku vergleicht. Er nimmt Bodenproben und bestimmt so, zu wieviel Prozent der „Akku“ geladen ist. Mithilfe von Kompost kann man nun diesen Akku beeinflussen und hier kommt die sogenannte Robin-Hood-Strategie ins Spiel: Die Menge von Gülle, die pro Hektar ausgebracht werden darf, ist gesetzlich reguliert. Daher bringt man diese vorwiegend dort aus, wo der Boden schlecht ist, um das Ertragspotential zu steigern. Eine Software rechnet aus, wie man das Feld befahren muss.

Als nächstes wird der Knollenabstand an das Ertragspotential angepasst. So wird z. B. am Feldrand, wo die Kartoffelpflanzen durch Baumbewuchs weniger Licht bekommen, mit größerem Knollenabstand gepflanzt, wohingegen direkt neben der Fahrspur, wo die Pflanzen mehr Licht, Wasser und Nährstoffe erhalten, dichter gepflanzt wird.

Olympische Strategie: Das Beste für die Besten
Das Spritzen gegen Unkraut und Schädlinge vergleicht van den Borne mit dem Eincremen mit Sonnencreme beim Menschen. Man spritzt also nicht mehr traditionell nach Kalender, sondern „nur wenn die Sonne scheint“, sprich, wenn es nötig ist. Man benötigt dafür zwar mehr Maschinen, weil man sie ggf. gleichzeitig einsetzen muss, spart aber an Schädlingsbekämpfungsmitteln. Wenn die Pflanzen schließlich schon hoch stehen, kommt die olympische Strategie zum Einsatz: Gemäß dem Prinzip „das Beste für die Besten“ werden gezielt die ertragreichen Pflanzen gedüngt, um einen höchstmöglichen Ertrag zu erzielen.

Kathrin S. Kürzinger und Markus Pitz. Foto: Uwe Reichow

Kathrin S. Kürzinger und Markus Pitz. Foto: Uwe Reichow

Smart Farming – mehr als das Sammeln von Daten
Das „Smart Farming“ oder die Präzisionslandwirtschaft (precision farming) geht über das Sammeln von Daten (big data) hinaus: Die Daten werden bewertet, um dann daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und möglichst ressourcenschonend wirtschaften zu können.

„Ich war Ackerbauer, jetzt bin ich ein Pflanzenbauer.“, resümiert van den Borne gegen Ende seines Vortrags. Heute weiß er genau, wie eine Kartoffelpflanze aussehen soll, also wie viele Blätter und Stengel sie haben muss, um gut zu gedeihen. Dieses Knowhow fehlt heutzutage oft bei Bauern, bemängelt van den Borne. Daher betont er immer wieder, dass precision farming heißt, von den Daten zu lernen. Es geht eben nicht nur darum, Daten zu sammeln, sondern vielmehr darum, daraus Schlüsse zu ziehen. „Wir können Mutter Natur nicht homogenisieren, sondern nur das Beste auf dem jeweiligen Boden herausholen.“

Durch diese Art der Individualisierung ergeben sich viele Anknüpfungspunkte an Digitalisierungsstrategien in anderen Wirtschaftsbereichen. Hier wie dort gilt, dass die gesamte digitale Technik letztlich nur Tools sind, die uns dabei unterstützen im jeweiligen Beruf bzw. im jeweiligen Wirtschaftsbereich noch besser zu werden und z.B.  -  so wie bei van den Borne - ein besserer Bauer zu sein.

KK, ms / 29.11.2019


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