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Evangelischer Raiffeisenkongress, 18./19. Juni 2018

Dr. Burghard Flieger: Genossenschaftliche Alternativökonomien

„Der transformatorische Charakter der neuen Genossenschaftsmodelle bleibt begrenzt." Dieses Fazit zog der Genossenschaftsexperte Dr. Burghard Flieger zum Schluss seines Vortrags beim Evangelischen Raiffeisenkongress. Der Vortrag ist jetzt hier und auf unserem YouTube-Kanal online.

„Im Rahmen der immer komplexer werdenden Strukturen und der Globalisierung haben viele Menschen eine Sehnsucht nach Überschaubarkeit, Vertrauen und solidarischer Teilhabe. Dies stimmt prägnant mit dem Genossenschaftskonzept von Friedrich Wilhelm Raiffeisen überein“, unterstreicht der Genossenschaftsexperte Dr. Burghard Flieger. „Das Kirchturmprinzip als Symbol für einen Sozialraum, der sich überblicken lässt, stand bei Raiffeisen an vorderster Stelle. Entsprechend entwickeln sich heute besonders im ländlichen Raum neue Genossenschaften, die einen Dorfladen betreiben, die Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung mit entsprechender Infrastruktur aufbauen oder die umweltverträgliche Energieversorgung als Bioenergiedörfer sicherstellen. Quartiersgenossenschaften sind das Gegenstück dazu in der Stadt.“

Aktuelle Genossenschaftsmodelle im Vergleich zu den Konzeptionen von Marx und Raiffeisen
In seinem Vortrag beim Evangelischen Raiffeisenkongress stellte Dr. Burghard Flieger einige aktuelle Genossenschaftsmodelle vor. Er kontrastierte sie mit Überlegungen von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888). Beide haben sich intensiv mit genossenschaftlichen Ideen auseinandergesetzt, aber daraus unterschiedliche Konzeptionen abgeleitet.

In den im Vortrag vorgestellten Genossenschaftsmodellen finden sich viele Gedanken von Raiffeisen und Marx wieder, so Burghard Flieger. Im Blick auf Raiffeisen sind das neben dem Kirchturmprinzip viel ehrenamtliches Engagement, eine Ethik, die mit dem Dienstgedanken kompatibel ist, sowie das Anliegen, die Strukturen des ländlichen Raumes gegen den Verdrängungsdruck der industriellen Agrarproduktion und der Lebensmittelkonzerne zu erhalten. Auch viele Marxsche Ideen sind erkennbar: Das betrifft den Vorbild- und Experimentiercharakter, der z.B. bei Genossenschaftsläden durch gemeinsame Produktionsplanung, ehrenamtliche Mitarbeit und eine Kaufentscheidung nicht ausschließlich über den Preis zum Ausdruck kommt. Aber: „Der transformatorische Charakter der neuen Genossenschaftsmodelle bleibt begrenzt. Es gibt Beratungs- und Informationsstrukturen, aber keinen Solidarfonds und keine überbetriebliche wirtschaftliche Kooperation.“

Zur Person:
Der Volkswirtschaftler und Soziologe Dr. Burghard Flieger ist Vorstand und wissenschaftlicher Leiter der Genossenschaft „innova“ mit Sitz in Leipzig, die Genossenschaften bei Neugründungen berät. Darüber hinaus ist er Autor mehrerer Bücher zu Genossenschaften

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hbl, ms / 10.08.2018



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